Interview: Alban Lakata wechselt zu Team BULLS
Foto von Sebastian Stiphout

Interview: Alban Lakata wechselt zu Team BULLS

MTB-News: Nach seinem Wechsel zum Team BULLS spricht Alban Lakata mit uns über seine Pläne für die Zukunft, die gute Teamchemie mit Neu-Partner Karl Platt und das etwas unglückliche Ende von Canyon Topeak Factory Racing.

Hallo Alban, schön dich hier zu sehen, aber ehrlich gesagt doch etwas überraschend. Wie kam dein Wechsel zum Team BULLS denn zustande? Gab es da schon länger Pläne?

Der erste Kontakt kam über Karl (Platt, Teamfahrer Team BULLS, Anm. d. Red.) zustande. Er hat ja ein gutes Standing im Team. Und wenn sich Karl mal was in den Kopf gesetzt hat, lässt er so schnell auch nicht locker. Als bei mir zum Ende der Saison klar war, dass es mit Canyon Topeak Factory Racing nicht mehr weitergeht, kam Karl auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, nächste Saison mit ihm zu fahren.

Kanntet ihr euch schon vorher? Und geht das denn überhaupt so unkompliziert?

Man kennt sich natürlich nach so vielen Jahren, aber wirklich engen Kontakt gab es nie. Vor ein paar Jahren hätten wir uns das beide wahrscheinlich nicht vorstellen können (lacht). Nicht, weil wir nicht miteinander klarkamen, eher weil irgendwie die Vorstellung für uns beide fremd war. Karl war Bulls, ich war Canyon – fertig.
Etwas schwierig war die Situation für mich deshalb, weil ich eigentlich schon einen sehr guten und unterschriftsreifen Vertrag eines anderen Teams vorliegen hatte. Dort wäre ich aber nicht mehr zu 100% im Leistungssportbereich aktiv gewesen. Ich wäre zwar auch nach wie vor bei Rennen am Start gewesen, aber dort hätte ich mich auch um die Entwicklung der Bikes und dem Aufbau eines Teams gekümmert.

Das neue Team BULLS Dreamteam für das Cape Epic: Karl Platt und Alban Lakata.

Für viele Fahrer in deinem Alter wäre dies ja ein logischer Schritt gewesen

Sicher, ja. Auch mich hätte die neue Aufgabe gereizt. Ich bin zwar 39, habe aber noch immer zwei, drei sehr gute Jahre im Tank und einige Ziele, die ich in meiner Rennfahrerkarriere noch erreichen möchte. Als Karl dann mit der Idee zu mir kam, ist der Rennfahrer in mir durchgegangen und ich wollte es unbedingt.

Geht das denn so einfach? Zwei Fahrer bequatschen den Wechsel und damit ist es erledigt?

(lacht) Nein, ganz so einfach ist es nicht. Wobei man natürlich sagen muss, dass der MTB-Sport auch heute noch wie eine große Familie ist. Es klingt zwar etwas abgedroschen, aber in der Praxis ist es wirklich so. Wir Fahrer arbeiten auch deshalb immer noch alle ohne Manager. Klar, geht’s auch um Geld und da würde so jemand vielleicht helfen, aber irgendwie passt es nicht ganz zur Philosophie. Dazu kommt natürlich, dass Karl das Team BULLS mit aufgebaut hat und sein Wort im Management Gewicht hat.

Was hat dich denn vom Wechsel überzeugt?

Ich hatte das Gefühl, dass mich ein Tapetenwechsel nochmals auf ein höheres Niveau als Sportler bringen kann. Ich war schließlich zehn Jahre zuvor immer beim gleichen Team und da schleicht sich einfach etwas zu viel Routine ein, muss ich im Nachhinein zugeben. Es hat immer gut gepasst und war meine sportliche Heimat, aber man macht es sich unbewusst einfach etwas zu bequem als Sportler. Außerdem gehört ein Sieg beim Cape Epic noch zu den Dingen, die mir in meiner Karriere fehlen. Dieses Rennen zusammen mit Karl zu fahren, war für mich fast schon Grund genug. Zu guter Letzt hat mich auch überzeugt, dass man mir einen Zweijahresvertrag mit Option auf ein drittes angeboten hat.

Ein Blick auf das neue Arbeitsgerät von Alban Lakta: Das Bulls Black Adder Team Edition

First Ride: Bulls Black Adder Team 2019 im Kurztest

Gerade die Vertragslänge ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich

Ja, so sieht es leider aus. Zuletzt gab es für mich nur einen 1-Jahres-Vertrag und das baut zum einen großen Druck auf und zum anderen stellt es die sportliche Perspektive auf wackelige Beine. Wenn es dann beispielsweise bei einer WM nicht so läuft, nagen nicht nur die persönlichen Zweifel, sondern man macht sich auch konkret um die Zukunft sorgen. Wenn man da einen mehrjährigen Vertrag hat, spürt man den Rückhalt und kann auch neue Motivation und Kraft daraus ziehen. Genau deshalb kam für mich so eine kurzfristige Sache nicht in Frage, vor allem nicht bei einem neuen Team.

Lass uns an dieser Stelle nochmal kurz über diese Saison und das Ende von Canyon Topeak Factory Racing sprechen. Wie überraschend kam das alles für dich?

Ich hatte schon bei der Vertragsunterzeichnung für mein letztes Jahr das Gefühl, dass es zu Ende geht. Ich weiß noch, als ich im Flugzeug saß auf dem Weg zu den Vertragsverhandlungen. Ich wollte eigentlich unbedingt zwei, wenn möglich sogar drei Jahre Vertrag haben. Da wurde mir ganz klar gesagt, dass sie das nicht machen könnten, weil auch mit den anderen Teamsponsoren nur Verträge über ein Jahr geschlossen wurden. Da dachte ich mir schon … irgendwas scheint im Busch zu sein. Nachdem das auch bei allen meinen Teamkollegen so war, war mir eigentlich klar, wo die Reise hingeht.

Der sportliche Erfolg hat ja eigentlich gestimmt…

Es läuft anscheinend einfach zu gut für Canyon, ohne da jetzt irgendwem Vorwürfe machen zu wollen. Die Räder verkaufen sich im Moment auch ohne die zusätzliche PR über das Team wie warme Semmeln. Natürlich haben wir über die letzten Jahre auch gute Vorarbeit geleistet, von der künftig sicherlich noch gut gezehrt werden kann. Canyon unterstützt sehr viele Sportler und Teams und dass man sich da irgendwann mal entscheiden muss, verstehe ich auch. Schade fand ich es damals natürlich trotzdem. Ich bin einerseits dankbar für die Unterstützung über viele Jahre und die Möglichkeiten, die man mir geboten hat, andererseits bin ich nach wie vor nicht ganz happy damit, wie es am Ende ablief.

Was meinst du damit konkret?

Man hat uns leider lange hingehalten und im Unklaren gelassen. Am einen Tag hieß es, es geht vielleicht doch weiter, dann kam gar keine Info mehr und recht kurzfristig nach der WM gab’s dann die definitive Ansage, dass es vorbei ist. Es hat etwas die Transparenz gefehlt, das war schade.
Das Ende ist nie schön, für keinen im Team. Nicht für die Verantwortlichen, nicht für die Athleten und auch nicht für Betreuer, Mechaniker usw. Vor allem wenn man so lange zusammenarbeitet wie wir damals, da wächst man schon zusammen. Und mit einem Mal ist irgendwie alles vorbei.

Hat dich die Situation um das Team auch in den Wettkämpfen beschäftigt?

Die Hängepartie um das Team und den Vertrag hat mir schon ein bisschen die Saison verhagelt. Für meine Verhältnisse war es ein durchwachsenes, teilweise sogar schlechtes Jahr. Die WM war leider total verkorkst, der zweite Platz beim Cape Epic ist zwar nicht schlecht, aber andererseits auch schon wieder so weit weg. Ansonsten waren noch ein paar Podiumsplätze, aber die großen Erfolge gab’s nicht.
Irgendwie war ich mental nicht ganz da. Gerade bei der WM, das wurmt mich schon noch. Ich war gut in Form, die Leistungswerte waren da, wo sie sein sollten, aber der Kopf hat nicht mitgespielt. Das war in der Vergangenheit immer meine große Stärke. Auf den Punkt fokussiert sein, Tunnelblick im richtigen Moment. Das ist mir im letzten Jahr abhanden gekommen.

Hast du eine bestimmte Situation im Kopf?

Bei der WM wurde recht kurzfristig einer der Trails geändert und prompt habe ich dort im Rennen über zwei Minuten auf die Spitze verloren. Das hat mich in diesem Moment so verunsichert und ich habe mich dauernd gefragt, wie mir das passieren konnte. Ich war mit dem Kopf einfach nicht bei der Sache. Der Fokus hat gefehlt und dann reicht es auf diesem Niveau nicht. Ich will es gar nicht komplett auf die Situation um das Team abwälzen, aber es hat sicherlich eine große Rolle gespielt.

Nun also ein neues Kapitel in deiner Karriere beim Team BULLS. Wie wurdest du aufgenommen?

Die Unterschrift unter dem Vertrag ist noch feucht, aber ich fühle mich hier schon ein wenig zuhause. Ich habe bereits alles, was ich zum Trainieren brauche, Bike, Klamotten, Ausrüstung und wurde vom Team bereits super aufgenommen. Ich habe eine riesige Freude, vor allem mit den vielen jungen Fahrern im Team. Das hat Bulls immer richtig gemacht – es gab immer junge Fahrer im Team, das ist meiner Meinung nach sehr wichtig für eine gute Chemie in der Mannschaft.

Die Teamchemie zwischen Lakata und den übrigen BULLS-Piloten scheint zu stimmen.

Als dreimaliger Marathon-Weltmeister dürfte die Akzeptanz aber ohnehin kein großes Problem sein…

Natürliche bringe ich meine früheren Erfolge und meinen Namen mit zum neuen Team, aber mir ist klar, dass ich mir auch hier mein Standing erst einmal erarbeiten muss. Das ist auch selbstverständlich für mich.

Was ist dir in deinen ersten Wochen beim Team am meisten aufgefallen?

Das Team hier hat schon sehr gute Strukturen. Das liegt auch an Friedemann (Schmude, Team Manager Team BULLS, Anm. d. Red.), der schon ewig dabei ist und genau weiß wie der Hase läuft. Das ist etwas, was mich wirklich freut und was ich schon in dem einen Monat, in dem ich mit dem Team zu tun habe, spüre. Die Organisation rund um das Team ist top und man kann sich als Fahrer wirklich zu 100% auf den eigenen Job fokussieren.

Neues Team, neuer Partner und mit dem Cape Epic das erste Saisonhighlight direkt zum Anfang – ist man da auch mit deiner Routine noch nervös?

Aber klar! Karl ist 40, ich bin 39, aber wir sind beide total aufgekratzt und auch ein bisschen nervös. So ein bisschen wie bei einer neuen Liebe (lacht). Ich bin echt gespannt, wie es beim Tankwa Trek (Vorbereitungsrennen zum Cape Epic, Anm. d. Red.) dann funktionieren wird. Wie funktioniert die Kommunikation in stressigen Rennsituationen? Wir bringen zwar beide die Erfahrung mit, aber dennoch braucht es etwas Zeit um sich auf einen neuen Partner einzustellen.

Du warst ja schon viele Male beim Cape Epic am Start, aber bisher hat es nie zum Sieg gereicht. Weshalb wird’s dieses Jahr anders?

Stimmt, zum zehnten Mal bin ich in diesem Jahr dort an der Startlinie. Ich glaube, dass Karl und ich renntaktisch genau auf einer Wellenlänge liegen und das ist unsere ganz große Stärke. Klar, ich hatte auch vorher schon einen sehr guten Partner, aber wir haben taktisch im Rennen oft nicht perfekt harmoniert. Er hat immer top-Leistung gebracht, nicht selten auch besser als ich, aber er hat gerne direkt zu Beginn alles rausgehauen und zum Ende dann etwas rausnehmen müssen – bei mir ist es eher umgekehrt – und bei Karl glücklicherweise auch.

Habt ihr denn schon über das Rennen gesprochen? Wie ihr taktisch vorgehen wollt?

Für uns gibt es nur eine Möglichkeit das Rennen zu gewinnen: Über einen langen Atem. Wir haben definitiv das Zeug dazu, auch wenn sich das Cape Epic über die Jahre etwas mehr in Richtung der XCO Jungs entwickelt hat.

Fühlt es sich nicht seltsam an, mit dem ehemals großen Konkurrenten jetzt gemeinsam am Start zu stehen?

Karl und ich waren immer große Konkurrenten, eigentlich so lange ich denken kann. Er war zwar immer eher so der Spezialist bei den Etappenrennen, ich hatte meine Stärken eher in den Eintagesrennen, aber klar sieht man den anderen als Konkurrent. Umso genialer finde ich es jetzt, dass wir zusammen fahren können.

Die jetzigen Partner Karl Platt und Alban Lakata teilten sich in ihrer langen Karriere schon das eine oder andere Podium – hier bei der Bike Transalp 2016.

In puncto Erfahrung dürfte euch jedenfalls niemand so schnell etwas vormachen können.

Mich reizt das total, dass Karl und ich in unserem Alter eben auch noch zeigen können, dass man auch mit Ende 30 oder Anfang 40 im Marathonsport nicht zum alten Eisen gehört, wenn man hart an sich arbeitet. Da sehe ich uns schon ein bisschen auch in einer Vorbildfunktion. Viele neigen ja schon dazu, Radsportler jenseits der 30 abzuschreiben, gerade auch auf der Straße … wobei dort Valverde gerade wieder das Gegenteil bewiesen hat.

Wenn du Valverde ansprichst: Verfolgst du persönlich denn den Straßenradsport?

Ja, schon! Was mich bei den meisten Straßenradsportlern fasziniert, ist dieser unglaubliche Ehrgeiz, immer noch besser zu werden, selbst in jungen Jahren. Dass da dann teilweise auch übertrieben wird, steht jedoch auch außer Frage.

Hast du während deiner Karriere denn mal mit dem Gedanken gespielt, auf die Straße zu wechseln?

Gespielt vielleicht schon, aber nie ernsthaft damit beschäftigt. Ich komme ja eigentlich aus dem Volleyball. Damals ist mir klar geworden, dass ich eigentlich nicht von einem Team abhängig sein möchte. Die Leistung, die ich reinstecke, möchte ich am Ende auch ernten und auf eigene Rechnung fahren können. Was mich aber immer noch sehr interessiert und in einigen Überlegungen eine Rolle spielt, ist das Zeitfahren.

Zeitfahren? Erzähl mal!

Dieses Jahr hab ich den ersten Schritt gemacht und bin bei der nationalen Meisterschaft im Zeitfahren an den Start gegangen und es lief ziemlich gut. Klar, es war bei weitem nicht perfekt… bei der Sitzposition und beim Material ist noch Luft nach oben, zudem hatte ich Pech und war lange im Regen unterwegs, während es für die Top-Jungs trocken war. Bei den Leistungsdaten konnte ich aber mit der Spitze mithalten.

Ziele für die Zukunft gibt es damit also genug! Alban, danke für deine Zeit!

über den Autor

Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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