Studie: Fahrradboom nicht messbar – Auto weiter Fortbewegungsmittel Nr. 1
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Studie: Fahrradboom nicht messbar – Auto weiter Fortbewegungsmittel Nr. 1

Spektrum: Das Thema Fahrrad boomt. Deutsche Städte zanken sich um den Titel Fahrradhauptstadt, nachhaltige Mobilität ist ein fast tägliches Thema in der Politik und angeblich fährt ja jeder inzwischen viel mehr Rad als noch vor ein paar Jahren. Alles nur Schall und Rauch? Neue Zahlen scheinen diese Vermutung nahezulegen, so zumindest die Schlussfolgerung des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV), der in einer Pressemeldung Bezug auf die Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD) 2017 nimmt.

Die vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie gilt in der Politik als wichtiger Gradmesser für das Nutzungsverhaltung verschiedener Fortbewegungsmittel in Deutschland. Betrachtet man die nackten Zahlen, dürfte sich bei Zweirad-Freunden schnell Ernüchterung einstellen: Seit der letzten Erhebung vor neun Jahren ist die Fahrradnutzung in Deutschland kaum messbar angestiegen. Wichtig für die Betrachtung ist der sogenannte Modal Split, mit dem der Nutzungsanteil verschiedener Fortbewegungsmittel festgelegt wird. Unangefochten auf Rang 1 bei den über 300.000 Befragten liegt hier das eigene Auto mit 43 Prozent – das Fahrrad kommt mit 11 Prozent erst weit dahinter.

Auffällig ist hierbei die große Diskrepanz zwischen Stadt und Land; während in Großstädten der Modal Split beim Rad bei immerhin 15 Prozent liegt, kommt er auf dem Land lediglich auf 7 Prozent. Schuld daran ist neben den weiteren Wegen sicherlich auch die fehlende Infrastruktur. Oft ist es dort immer noch notwendig, auf vielbefahrenen Überlandstraßen zu fahren, wofür es gerade zu Stoßzeiten durchaus eine gewisse Risikobereitschaft braucht.

Gegensätzlich zu den ernüchternden Zahlen bezüglich der tatsächlichen Fahrradnutzung verhält es sich mit dem Fahrradbesitz: 78 Prozent der befragten Haushalte besitzen mindestens ein Fahrrad. Mit zunehmendem ökonomischen Status erhöht sich die Zahl sogar auf 90%. Dennoch nutzen noch immer sehr viele Menschen hierzulande am liebsten das Auto für Kurzstrecken bis 5km – wieso eigentlich? Der ZIV sieht vor allem in der Stadt dringenden Nachholbedarf bei der Infrastruktur, insbesondere bei sicheren Abstellplätzen beispielsweise an Bahnhöfen. Gerade mit der stetig steigenden Anzahl teils sehr teurer E-Bikes im Verkehr wird dieses Problem in Zukunft noch größer werden. Die Deutsche Bahn hat mit ihrem Bike+Ride Projekt bereits reagiert und möchte bis 2022 100.000 neue Fahrradstellplätze an Bahnhöfen schaffen. Ein schönes Zeichen – gesamtheitlich betrachtet aber wohl leider kaum mehr als der viel zitierte Tropfen auf dem heißen Stein.

Web

Zusammenfassung der Studie „Mobilität in Deutschland 2017“ (PDF)
Bike+Ride Projekt der Deutschen Bahn

über den Autor

Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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