Test: A-N.T. Hochlast-Cargobike – Nutzfahrzeug mit Gokart-Feeling?
Foto von Enrico Wagner

Test: A-N.T. Hochlast-Cargobike – Nutzfahrzeug mit Gokart-Feeling?

Test / E-Performance: Mit dem A-N.T. schließt die ZEG die Lücke zwischen Lastenrad und Kleintransporter. Der kompakte Schwerlaster bringt Fahrspaß im Berufsverkehr – und das auch ohne Führerschein.

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Es fährt sich wie ein Gokart und kommt ziemlich schnell auf Touren, packt schwere Lasten und bremst brutal: Das Lastenrad A-N.T., zu bewundern unlängst auf der ZEG-Hausmesse, hat erst einmal nicht viel gemeinsam mit Cargobikes und anderen alternativen Lastenfahrzeugen, die die „Sprinter“-Flut in den Innenstädten eindämmen sollen. Denn wie ein typisches Lastenrad sieht das Dreirad dabei nicht aus – sondern viel solider. Stabile Rohrkonstruktionen bilden die beiden Ladeplattformen, die auf 160 Kilo Nutzlast (plus Fahrer) zugeschnitten sind, bei internen Tests aber auch eine Überlast von 50 % klaglos aufnahmen. Damit besetzt der Anbieter, die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft, eine Nische, die im Lastenrad-Markt bislang offen war: die des Heavy-duty-Cargobikes, das die Vorzüge konventioneller Lieferfahrräder mit enormer Ladekapazität vereint.

A-N.T.
Ein Cargobike der besonderen Art: Mit einer extrem stabilen Konstruktion, speziell entwickeltem Motor und drei Rädern kann das A-N.T. bis zu 160kg befördern.

Ohne Motorunterstützung lassen sich die genannten Lasten freilich nicht bewegen – schon die unbeladene „Ameise“ kommt aufgrund ihres Eigengewichts von 60 Kilo nur mit Pedalkraft kaum vom Fleck. Verwendet wird daher ein spezieller Mittelmotor, der vom erzgebirgischen Antriebshersteller EMGR stammt und auf das Gesamtgewicht von knapp 300 Kilo abgestimmt ist. Auch das Dreiganggetriebe des Motors ist deutlich solider als fahrradtypische Nabenschaltungen.

A-N.T.: Überraschend flott und agil im Alltag

Bis 6 km/h kann der Motor per Gasgriff gesteuert werden, sodass etwa ein Zusteller das Fahrzeug brav neben sich führen kann. Tritt man jedoch in die Pedale, steigt der Fahrspaß exponentiell zur Geschwindigkeit. Dafür sorgt das hohe Drehmoment, vor allem aber die innovative Parallelogramm-Lenkung, die zum einen den Wendekreis minimiert, zum anderen aber sehr sportliche Kurvenfahrt erlaubt – Gokart-Feeling eben, wobei der aufrecht sitzende Fahrer die auftretenden Fliehkräfte voll auskosten kann. Bei knapp einem Meter Spurweite kann man mit einiger Anstrengung das kurveninnere Vorderrad vom Boden abheben lassen; ist die vordere Ladeplattform belastet, dürfte dies unmöglich sein. Auch die bei der Leerfahrt überaus agile Lenkung sollte durch Zuladung vorne etwas gedämpft werden, sodass ein sauberer Geradeauslauf sichergestellt ist.

Drei hydraulische Scheibenbremsen bringen das A-N.T. zum Stehen, was, wenn man zu stark an den Hebeln zieht, ziemlich ruckartig geschehen kann. Ist man voll beladen auf einer Gefällstrecke unterwegs, wird man sich über die standfeste Bremsanlage freuen. Die breiten Reifen verzahnen sich ordentlich mit dem Untergrund und bringen die hohen Verzögerungskräfte sicher auf die Straße. Kommt das Lastenfahrzeug zum Stillstand, arretiert man die Feststellbremse und kann man ohne Mühe absteigen – der Rahmen ist so niedrig, dass man kaum das Bein anheben muss.

A-N.T.: Praktischer Lastenesel mit Fahrradprivilegien

Gar nicht nach „Fahrrad“ sieht der Antriebsstrang des neuen Nutzfahrzeugs aus – vielleicht auch deshalb, weil beim Vorserienmodell noch ein Vespa-Hinterrad zum Einsatz kommt. Wie die Vorderräder kann dieses einfach zur Seite abgezogen werden, was Reparaturen und Wartung deutlich erleichtert. Die Kette ist komplett gekapselt, auch der Motor ist gut versteckt untergebracht; Platz für einen Doppelakku ist vorhanden, sodass die Reichweite im Berufsverkehr kein Problem ist, auch wenn man bei starker Beladung eine dauerhaft hohe Unterstützungsleistung abruft. Als konventionelles E-Bike ist das A-N.T. Auf 25 km/h gedrosselt, und das ist im Stadtverkehr sehr praktisch: Der Kleintransporter darf alle Schleichwege nutzen, die auch Radlern offenstehen, für Radfahrer geöffnete Einbahnstraßen ebenso wie Radwege und Fahrradstraßen.

Genau beäugt: Ein erstes Vorserienmodell zog während der ZEG-Messe viele Neugierige Blicke auf sich.

Mit einem Meter kaum breiter als ein Anhänger für zwei Kinder, ist das Gefährt sogar Gehsteig-tauglich und damit insgesamt so praktisch, dass es dort, wo es nicht an seine Belastungsgrenzen stößt, herkömmlichen Lastenfahrzeugen in der City weit voraus ist. Ein Plus ist außerdem, dass jeder das A-N.T. fahren darf, denn ein Führerschein ist nicht nötig – das können Lehrling oder Azubine sein, aber auch Baumarktkunden ohne Führerschein, die sich das A-N.T. zum Transport einer größeren Ladung ausleihen. In Custom-Bauweise kann das Lastenfahrzeug auf unterschiedliche Nutzungsanforderungen zugeschnitten werden, ob zur Postzustellung, für den Warentransport oder als Werkstattwagen eines Handwerksbetriebs.

Durch attraktive staatliche Förderprogramme, die bis zu einem Viertel des Fahrzeugpreises von rund 10.000 Euro übernehmen, ist das A-N.T. auch für kleinere Betriebe interessant; der Anbieter hat freilich auch die Fahrzeugflotten großer Kurierdienste im Auge. Diese könnten mit neuartigen Logistik-Konzepten im Innenstadtbereich auf herkömmliche Transporter verzichten und Pakete stattdessen von Mikrodepots aus per Lastenrad ausliefern.

Die Flottennutzung erklärt auch die solide Machart des A-N.T. Da die einzigen Verschleißteile wie beim Fahrrad Reifen, Bremsbeläge und Kette sind, lassen sich die Wartungskosten gegenüber Kraftfahrzeugen stark reduzieren; bei einer Nutzungsdauer von sechs bis acht Jahren lässt sich die „Ameise“ sehr wirtschaftlich einsetzen.

Gegenüber dem von Velomotion gefahrenen Vorserienmodell hat sich das A-N.T., das dieser Tage in die Serienfertigung geht, optisch in Details verändert und sieht nun noch eleganter und glattflächiger aus. Ab März 2019 sollen erste Fahrzeuge ausgeliefert werden – und dann wird sich zeigen, ob die schwerlastfähige Ameise ihren Platz zwischen konventionellem Transportrad und „Sprinter“ findet.

über den Autor

Marcus Degen

Marcus Degen ist Gründer des deutschen Radsportmagazins Procycling und war für neun Jahre dessen Chefredakteur. Während dieser Zeit gründete er als Herausgeber auch die Magazine Fahrrad News und World of Mountainbiking. Er hat Physik und Ingenieurwesen in München studiert und war in den späten Achtzigern und Neunzigern als Radamateur und Triathlet aktiv. Anfang 2013 rief er das digitale Fahrrad-Magazin Velomotion ins Leben.

Caspar Gebel

Caspar Gebel, Jahrgang 1968, sitzt seit 35 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

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