Test: Specialized Diverge Comp E5 – Gravel light oder Rennrad plus?
Foto von Michael Faiß

Test: Specialized Diverge Comp E5 – Gravel light oder Rennrad plus?

Test: Das Specialized Diverge war bei seiner Einführung vor einigen Jahren so etwas wie der Wegbereiter des modernen Gravelbikes. Seitdem wurde es konstant weiterentwickelt und kommt mittlerweile auch mit dem hauseigenen Future Shock System, das 20mm echten Federweg an der Front bietet.

Specialized Diverge Comp E5: Die Fakten

Rahmenmaterial: Aluminium
Laufradgröße(n): 700c
Reifenfreiheit: 40mm (700c)
Achsmaß (v/h): 12×100 / 142×12
Schutzblechösen: Ja
Gepäckträgerösen (v/h): Nein / Ja
Flaschenhalter: Unterrohr oben, Unterrohr unten, Sitzrohr

Gewicht Laufräder v/h (mit Reifen, Kassette und Bremsscheiben): 1.460g / 1.990g
Gewicht Komplettrad ohne Pedale (Größe M):
9,68kg
Preis: 1.899 Euro

Specialized Diverge Comp E5:

Gravel light oder Rennrad Plus? Das Diverge lässt Raum für Interpretationen, wobei wir uns für letztere Lesart entscheiden. 30 mm schmale Reifen und 2×11-Schaltung sprechen fürs Rennrad, zumal das Specialized in Sachen Durchlauf kaum Spielraum für „mehr“ lässt.

Geometrie Specialized Diverge Comp E5

48525456586164
Sitzrohr (in mm)405440473500525555585
Oberrohr horizontal (in mm)524532549561575589609
Steuerrohr (in mm)108128155178194213229
Kettenstrebe (in mm)419419421421421421423
Radstand (in mm)1004100410111025103610491097
Lenkwinkel (in °)70.87171.972.572.572.873
Sitzwinkel (in °)7373.573.573.573.57474
Reach (in mm)360367373379385392401
Stack (in mm)569574592613639662678
Rahmen
Specialized E5 Premium Aluminium
Gabel
Diverge Disc
Laufräder
Axis Elite Disc
Reifen
Specialized Espoir Sport
Schaltwerk
Shimano 105
Schalthebel
Shimano 105
Kurbel
Praxis Alba 2D
Umwerfer
Shimano 105
Bremse
Tektro Spyre
Sattelstütze
Specialized 27.2
Sattel
Specialized Toupé Sport
Vorbau
Specialized
Lenker
Specialized Shallow Drop

Doch ganz so einfach ist die Sache nicht – und das liegt an diversen Besonderheiten des US-Renners. Da wäre zum einen die innovative Steuerkopffederung, genannt „Future Shock Progressive System“, die 20mm Federweg bietet und damit harte Stöße abmildert. Dieses im Schlagloch-Alltag sehr praktische Feature wirkt sich deutlich auf die Sitzgeometrie aus, da die Federung überm Steuerrohr sitzt und dessen Bauhöhe vergrößert. Zusammen mit dem extrem tief liegenden Tretlager (Vorsicht: bei Kurvenschräglage nicht treten!) führt das dazu, dass der Fahrer im Vergleich zur Sitzlänge eine sehr aufrechte Haltung einnimmt. Was an sich recht sportlich wirkt, ist damit eher ein tourenlastiger Renner – bzw. einer, der zu ausgiebigem Unterlenker-Fahren animiert.

Also doch ein Langstreckler, dieses Rad mit den schön modellierten Rohrübergängen! Drei Flaschenhalter, Ösen für Schutzbleche und auch eine Befestigungsmöglichkeit für einen Gepäckträger hinten machen aus dem Diverge auch einen veritablen Mehrtagestourer. In diesem Zusammenhang freut man sich auch über die Übersetzung, die mit 46/32 vorne und 11-34 hinten eine echte Untersetzung bietet, wobei die Kassette freilich eher grob abgestuft ist. Wer hinten auf zwei Zähne verzichten kann, bekommt mit 11-32 ein deutlich feineres Ritzelpaket mit immerhin vier Einersprüngen.

Nicht unüblich bei Specialized ist es, einen hochwertigen Rahmen mit etwas einfacheren Teilen zu kombinieren. Die Shimano 105 geht in Ordnung, aber mechanische Scheibenbremsen sind dann doch nicht das Wahre – schade, denn dieses Detail lässt sich nicht so einfach per Umbau aus der Welt schaffen.

Specialized Diverge E5

Specialized Diverge Comp E5: Let’s Gravel

Auf den ersten Blick stellte sich uns das Specialized Diverge Comp E5 als ein Rennrad vor, welches auch für den leichten Offroad Einsatz genutzt werden kann. Dies liegt nicht nur an der hauseigenen 30mm Bereifung, welche zwar für Schotter ausreicht jedoch besonders bei nassem Untergrund im Gelände an ihre Grenzen stößt. Sondern auch daran, dass der Gravelracer optisch einen äußerst sportiven Charme versprüht. Durch das sogenannte Future Shock Progressive System, welches direkt über dem Steurerrohr liegt und mit 20mm Federweg besonders harte Stöße abfängt, wird die Geometrie aber entschärft, was zu einer doch ziemlich aufrechten Sitzposition führt. Auf die Frage hin, was das „Federsystem“ so leisten kann, können wir nur sagen, dass es sich gerade auf sehr hartem Untergrund einfach nur gut anfühlt und ein echtes Plus an Komfort bietet. Dies macht sich nach mehreren Stunden Fahrt besonders im Unterarm/Hand-Bereich bemerkbar, da diese Bereiche nicht so schnell/stark ermüden.

Auch das abgesenkte Tretlager in Verbindung mit dem etwas tiefergesetzten Hinterbau wirkt Schlaglöchern und Stößen entgegen und bietet zusätzlichen Komfort. Hier ist es dann schon fast schade, dass das Specialized Diverge Comp E5 kaum noch Platz für breitere Reifen bietet, da sonst auch richtig harte Graveltouren gar kein Problem sein dürften. Hier finden wir es auch etwas enttäuschend, dass man auf eine mechanische Scheibenbremse mit Seilzug setzt. Diese funktioniert zwar für ihre Verhältnisse gut und macht ihren Job, steht aber den hydraulischen Kontrahenten in Sachen Performance schon um einiges nach.

Ansonsten bietet die Ausstattung des Diverge Comp mit Shimano 105, Praxisworks Kurbel und großteils hauseigenen Anbauteilen eine gute Mischung aus Funktionalität und Einfachheit. Für den Einsatz als Gravelbike spricht dann aber doch auch ganz klar die Möglichkeit drei Flaschenhalter, Schutzbleche und einen Gepäckträger hinten anbringen zu können.

Fazit: Specialized Diverge Comp E5

Gesamtwertung

74%

Preis-/Leistung

75%

Pro

Future Shock Progressive System
Solide Ausstattung
Komfortable Position

Contra

Mechanische Scheibenbremse
Reifen lediglich für leichten Offroad-Einsatz geeignet

Fakten

Rahmenmaterial
Aluminium
Bremse
Scheibenbremse Mechanisch
Gewicht
9,68kg
Preis
1.899 Euro
Web
EnduranceRace
 
Das Specialized Diverge Comp E5 ist besonders auf den ersten Blick ein Gravelbike mit waschechten Rennrad-Genen. Features wie das Future Shock Progressive System, diverse Ösen für Halter und Taschen, sowie eine komfortabel Sitzposition bringen dann doch recht schnell auch das Thema Gravel ins Spiel. Auch die Ausstattung passt, bis auf die (leider) mechanische Scheibenbremse, gut ins Bild. Für uns ein Gravelbike welches auf langen Touren mit Asphalt und leichtem Schotter im Wechsel zu Hause ist.

über den Autor

Florian Nowak

Florian Nowak ist Radprofi auf EuropeTour Ebene und war schon bei vielen internationalen Rennen am Start. Bei der deutschen Meisterschaft 2017 war er bester nicht WorldTour Profi auf Platz 7 und konnte sich somit für die Tour de L'Avenir und die Weltmeisterschaften empfehlen. Er fühlt sich aber nicht nur auf dem Rennrad wohl, immer wieder zieht es ihn auch ins Gelände. Neben dem Sport arbeitet er an seinem zweiten Standbein und hat sein BWL Studium an der LMU München abgeschlossen.

Caspar Gebel

Caspar Gebel, Jahrgang 1968, sitzt seit 35 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

1 Kommentar

  1. Armin Hess
    Armin Hess

    Moin,
    fahre selbst ein 2018er E5 Sport (ohne futureshock), also die günstigste Variante.
    Rahmen und Gabel suchen in dieser Preisklasse ihresgleichen, jedoch ist die Kurbel (vor allem die Kettenblätter) ein echtes Ärgernis. Denen kann man beim Verschleissen zusehen!
    Die Reifenfreiheit ist besser als von Specialized spezifiziert. Ein WTB Nano in 40 mm (effektiv 41,5 mm auf 21 C) passt, wenn auch knapp, hinein. Das Sitzrohr ist hier der limitierende Faktor.
    Das tiefe Tretlager spricht eigentlich nur gegen CX Einsatz, ansonsten macht es das Rad ungeheuer spurstabil.

    MfG,
    Armin

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