Test: Ghost Fire Road Rage 6.9 LC – Die Rückkehr des Monstercrossers?
Foto von Michael Faiß

Test: Ghost Fire Road Rage 6.9 LC – Die Rückkehr des Monstercrossers?

Test: Das Ghost Fire Road Rage 6.9 LC ist der Gravel- und Bikepacking-Ableger des Violent Road Rage Crossers aus selbem Hause. Natürlich fallen direkt zu Beginn die dicken Reifen ins Auge, die aber der sehr sportlichen Ausrichtung des Monstercrossers keinerlei Abbruch tun. Dank zahlreicher Befestigungsmöglichkeiten dürfte das Carbonbike aber auch bei Bikepacking-Freunden in die engere Auswahl kommen.

Ghost Fire Road Rage 6.9 LC: Die Fakten

Rahmenmaterial: Carbon
Laufradgröße(n): 29″
Achsmaß (v/h): 12×100 / 142×12
Schutzblechösen: Ja
Gepäckträgerösen (v/h): Ja / Ja
Flaschenhalter: Unterrohr oben, Unterrohr unten, Sitzrohr, Gabel
Sonstiges: Ösen auf dem Oberrohr

Gewicht Laufräder v/h (mit Reifen, Kassette und Bremsscheiben): 1.580g / 2.090g
Gewicht Komplettrad ohne Pedale (Größe M):
9,89kg
Preis: 2.599 Euro

Ghost Fire Road Rage 6.9 LC: Brandheiß im Gelände

„Road Rage“ klingt ziemlich aggro, doch zum Glück wird man sich mit diesem Rad nur selten im Straßenverkehr bewegen. Denn bereits die Beschreibung auf der Ghost-Homepage deutet an, wo dieses Bike hin will: ins Gelände, wo es seine soliden Twentyniner-Laufräder mit zwei Zoll breiten Reifen perfekt ausspielen kann. Am MTB sehen solche Pneus heutzutage ziemlich schmächtig aus, an einer Rennmaschine wirken sie dagegen extrem voluminös; überdies ist der WTB Ranger mit seinem groben Profil ein reinrassiger Mountainbike-Reifen. Erfreulicherweise sind Reifen wie Felgen Tubeless-ready – mit minimalem Druck und ordentlich Dichtmilch nimmt es diese Kombination mit gröbstem Geläuf auf.

Geometrie Ghost Fire Road Rage

XSSMLXL
Sitzrohr (in mm)445465482,5505530
Oberrohr horizontal (in mm)505525545568590
Steuerrohr (in mm)120135150165180
Kettenstrebe (in mm)430432,5432,5432,5432,5
Radstand (in mm)10121027103710501062
Lenkwinkel (in °)7070,57171,572
Sitzwinkel (in °)74,57473,57372,5
Reach (in mm)359371381393404
Stack (in mm)527544554573589
Rahmen
Road Rage LC
Gabel
Ghost LC Rigid
Laufräder
Sram S900 / WTB XC i25
Reifen
WTB Ranger Dual 2.0
Schaltwerk
Sram Apex
Schalthebel
Sram Apex
Kurbel
Truvativ Descendant
Umwerfer
Ohne
Bremse
Sram Apex
Sattelstütze
Ground Fiftyone
Sattel
WTB Silverado Race
Vorbau
Ground Fiftyone
Lenker
Ground Fiftyone Race WB

Das sind perfekte Voraussetzungen für ein gepflegtes Gravel-Abenteuer, und auch die Komplettierung des orangen Boliden spielt mit. 1X11 – hier Sram Apex plus Rival-Schaltwerk – steht ja beim Cross wie am MTB hoch im Kurs, und die Übersetzung des Fire Road Rage liegt genau dazwischen: Mit 36er Kettenblatt und 10-42 Zähnen hinten ist das Gravelbike kräftig untersetzt, und auch bergab kann man lange mittreten.

Vom Querfeldeinrad namens – jetzt kommt’s – „Violent Road Rage“ unterscheidet sich der Gravel-Rahmen nur in Nuancen. Beim Testrad gibt es zusätzliche Gewindeeinsätze, etwa auf und unterm Oberrohr sowie an der Gabel, aber das war’s auch schon. Und an diesem Punkt stößt das Konzept etwas an seine Grenzen: Mit deutlicher Streckung und kräftiger Überhöhung sitzt man ausgesprochen sportlich auf dem schönen, glattflächigen Carbonrad. Etwas erschwerend kommt das ausgesprochen hoch liegende Tretlager hinzu – zusammen mit den hoch bauenden Reifen muss man ordentlich die Zehen strecken, um auf den Boden zu kommen. Entspannte Bummeltouren sind also nicht wirklich Sache des Ghost Fire Road Rage – aber im Gelände brennt es wie Feuer. Nur die knapp zehn Kilo Gewicht (ohne Pedale) lassen aufhorchen: Hier zahlt man die Zeche für eher stabile Laufräder und breite Reifen.

Ghost Fire Road Rage

Ghost Fire Road Rage 6.9 LC: Let’s Gravel

Mit dem Ghost Fire Road Rage 6.9 LC hatten wir eines der vielseitigsten Gravelbikes bei uns im Test. Hauptverantwortlich für das breite Einsatzgebiet sind die dicken MTB-Reifen, welche gerade in Sachen Komfort einiges zu bieten haben und auf egal welchem Untergrund einen tollen Grip liefern. Hinzukommt aber auch, dass die Reifen auch in Sachen Rollwiderstand den anderen Gravelreifen in unserem Testfeld in kaum etwas nachstehen. Auf Schotter macht sich dabei gar kein Unterschied bemerkbar – ganz im Gegenteil: Durch die breite Auflagefläche rollt es sehr angenehm dahin und auch auf Asphalt besitzen die WTB Reifen solide Rolleigenschaften.

Für zusätzlichen Komfort sorgt neben den Reifen auch der geschwungene Hinterbau des feurigen Rahmens, der einiges einstecken kann. Dennoch verliert der Ghost Gravel Racer aber nicht seine Spritzigkeit und beschleunigt auch trotz stolzem Gewicht, aufgrund von stabilen Laufrädern und breiten Reifen, erstaunlich gut. Hinzu kommt eine sehr angenehme Laufruhe, die sich vor allem auf längeren Strecken auszahlt.

Auch die Geometrie des Ghost Fire Road Rage 6.9 LC spielt der Vielseitigkeit in die Karten, da die Position von Haus aus zwar sehr gestreckt und sportiv ist, jedoch durch das leicht geslopte Oberrohr und zusätzliche Spacer beinahe komplett entschärft werden kann. Gerade aber für den sportive Graveleinsatz oder Rennradfahrer, die auch mal abseits der Straße unterwegs sein wollen, perfekt geeignet.

Hier spielt sicherlich auch die weitere Ausstattung mit rein, denn mit der 1×11 Sram Apex und Rival Schaltwerk die über 36 Zähne vorne und über 10-42 Zähne hinten verfügt, ist man sowohl  auf schnellen, als auch auf knackigen Abschnitten bestens gewappnet und sollte so ziemlich jedes Hindernis problemlos bewältigen können. Wie Vielseitig das Ghost Fire Road Rage 6.9 LC wirklich ist, zeigt sich auch an der großen Anzahl an Ösen und Befestigungsmöglichkeiten für diverse Taschen, Halter und Gepäckträger, die einen Mehrtageseinsatz zum Kinderspiel machen.

Fazit: Ghost Fire Road Rage 6.9 LC

Gesamtwertung

84%

Preis-/Leistung

76%

Pro

Vielseitigkeit
Gute Ausstattung (breite Reifen & Schaltung)
Sportliche Performance
Vielzahl an Ösen

Contra

Recht hohes Gewischt

Fakten

Rahmenmaterial
Carbon
Bremse
Scheibenbremse Hydraulisch
Gewicht
9,89kg
Preis
2.599 Euro
Web
EnduranceRace
 
Das Ghost Fire Road Rage 6.9 LC ist dank seiner breiten 29" Reifen und einem hochwertigen Gesamtkonzept ein Gravelbike, welches für einen sehr vielseitigen Einsatz bereit ist. Neben einer sportiven Performance und gutem Komfort kommen auch Tourenfahrer auf ihre Kosten, da das Ghost Fire Road Rage auch eine Vielzahl an Befestigungsmöglichkeiten für Bikepacking Abenteuer jeglicher Art bietet. Leichtbau-Freunde dürfte jedoch das recht hohe Gesamtgewicht ein Dorn im Auge sein.

über den Autor

Florian Nowak

Florian Nowak ist Radprofi auf EuropeTour Ebene und war schon bei vielen internationalen Rennen am Start. Bei der deutschen Meisterschaft 2017 war er bester nicht WorldTour Profi auf Platz 7 und konnte sich somit für die Tour de L'Avenir und die Weltmeisterschaften empfehlen. Er fühlt sich aber nicht nur auf dem Rennrad wohl, immer wieder zieht es ihn auch ins Gelände. Neben dem Sport arbeitet er an seinem zweiten Standbein und hat sein BWL Studium an der LMU München abgeschlossen.

Caspar Gebel

Caspar Gebel, Jahrgang 1968, sitzt seit 35 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

2 Kommentare

  1. Daniel
    Daniel

    Finde es schwer nachvollziehbar, warum das Ghost beim Preis-/Leistungsverhältnis besser abschneidet als das Rose Backroad Force. Ich meine wir sprechen hier von SRAM Force vs. SRAM Apex/Rival Komponenten…

    Gibt es hierzu eine Erklärung?

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    1. Michael Faiß
      Michael Faiß

      Hallo Daniel,

      das Preis/Leistungsverhältnis wird in Abhängigkeit von Gesamtwertung und UVP berechnet. Ein Rad ist mehr als die Summe seiner Anbauteile und wird von uns auch als „Gesamtsystem“ bewertet.

      Viele Grüße

      Direkt antworten

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