Test: Fuji Jari 1.1 – Sportiver Packesel mit langem Atem
Foto von Michael Faiß

Test: Fuji Jari 1.1 – Sportiver Packesel mit langem Atem

Test: Das Fuji Jari ist seit seiner Einführung einer der Dauerbrenner im Sortiment des US-Herstellers. Daran wird sich aller Voraussicht nach auch im Modelljahr 2019 nichts ändern: Das Jari bleibt seinen Wurzeln treu und dürfte vor allem Bikepacking- und Tourenfans zu begeistern wissen.

Fuji Jari 1.1: Die Fakten

Rahmenmaterial: Aluminium
Laufradgröße(n): 700c
Reifenfreiheit: 42mm (700c) / 2,0″ (650b)
Achsmaß (v/h): 12×100 / 142×12
Schutzblechösen: Ja
Gepäckträgerösen (v/h): Ja / Ja
Flaschenhalter: Unterrohr oben, Unterrohr unten, Sitzrohr, Gabel
Sonstiges: Ösen auf dem Oberrohr

Gewicht Laufräder v/h (mit Reifen, Kassette und Bremsscheiben): 1.550g / 2.080g
Gewicht Komplettrad ohne Pedale (Größe M):
9,72kg
Preis: 1.999 Euro

Fuji Jari 1.1 – Let the Journey begin!

Die US-Firma mit den japanischen Wurzeln legt großen Wert auf das Segment „Adventure and Touring“, und das Jari ist hier das Topmodell. Den Preis knapp unter 2.000 Euro will man angesichts einer kompletten Shimano 105 mit FSA-Kurbelsatz gerne abnicken, wobei es dafür anderswo bereits eine komplette Ultegra gibt. Jedenfalls gefällt der Goldlack am Aluminiumrahmen, und auch die in Japan produzierten Panaracer Gravelking passen sehr gut – ebenso die messingfarbenen Speichennippel. Reifen und Felgen sind Tubeless-kompatibel, was im Gravel-Segment eigentlich unverzichtbar ist.

Geometrie Fuji Jari 1.1

XXSXSSMLXLXXL
Sitzrohr (in mm)460490520540560580610
Oberrohr horizontal (in mm)510525535545560575595
Steuerrohr (in mm)110120140150170190210
Kettenstrebe (in mm)435435435435435435435
Radstand (in mm)1004102010221016102710371058
Lenkwinkel (in °)70.570.57171.5727272
Sitzwinkel (in °)74.574.574737372.572.5
Reach (in mm)363375375370379383397
Stack (in mm)532541569572592609628
Rahmen
A6-SL Aluminium
Gabel
FC-440 Carbon
Laufräder
WTB KOM Light i23
Reifen
Panaracer GravelKing SK 38mm
Schaltwerk
Shimano 105
Schalthebel
Shimano 105
Kurbel
FSA Omega Adventure 46/30
Umwerfer
Shimano 105
Bremse
Shimano 105 Hydraulic
Sattelstütze
Oval Concepts 300
Sattel
Oval Concepts X38
Vorbau
Oval Concepts 313
Lenker
Oval Concepts 325

Wo dieses Rad hin will, ist schnell klar: Das Jari ist eher Reiserad als Sportgerät und bevorzugt lange Touren, gerne mit Gepäck – Montagemöglichkeiten gibt es in Hülle und Fülle, etwa vorne auf dem Oberrohr. Dazu innenliegende Züge und Leitungen, Steckachsen und Details wie die schlanken, geschwungenen Sitzstreben – in dieser Hinsicht ist also alles in Ordnung. Passend zum Einsatzzweck hat Fuji die Geometrie gewählt: Die Sitzhaltung ist aufrecht und ähnelt der auf dem Bulls; auch die insgesamt lebendige Lenkung erinnert an das Rad aus Köln. Angesichts von sieben Größen wachsen Steuerrohr- und Oberrohrlänge in Schritten zwischen 10 und 20 mm, die Anpassung fällt also nicht schwer. Eine wirklich sportliche Sitzhaltung lässt sich aus dieser Geometrie freilich nicht herauskitzeln, doch dafür hat Fuji genug andere Modelle.

In Sachen Gewicht steht das Jari übrigens ziemlich gut da; zehn Kilo mit Pedalen sind ein anständiger Wert im Reiserad-Segment. Was bei dem einen oder anderen für Irritationen sorgen könnte ist der Lenker von Fuji-Eigenmarke Oval Concepts: Mit 25° Flare stehen die STI-Hebel so schräg, dass die Bremsgriffhaltung durchaus gewöhnungsbedürftig ist.

Fuji Jari 1.1

Fuji Jari 1.1 – Let’s Gravel

Schon auf den ersten Blick ist das Fuji Jari 1.1 mit seiner goldenen Lackierung ein echter Hingucker. Aber nicht nur beim Rahmen an sich, sondern auch bei diversen Anbauteilen kann man sehr viel Liebe zum Detail erkennen. Hier wurden beispielsweise die Nippel oder die Reifenwand dem Design farblich angepasst. Aber so viel erst einmal zur Optik, denn auch von der Performance her hat das Fuji Jari 1.1 einiges zu bieten.

Auf den zweiten Blick kann man dann auch recht schnell erkennen, dass sich das Fuji Jari 1.1 vor allem an abenteuerlustige Gravel-Freunde richtet. Besonders seine Vielzahl an Ösen für die Montage von diversen Taschen, Trägern, Haltern, Schutzblechen und vielem mehr macht es zu einem passenden Begleiter für ausgedehnte Touren. In dieses Bild fügt sich auch die weitere Ausstattung des Fuji Jari 1.1 gekonnt ein und hat in erster Linie Funktionalität zum Ziel. Die Shimano 105er Schaltgruppe bietet gewohnt gute Performance und ist dabei wenig anfällig für Defekte. Auch die Panaracer GravelKing SK Reifen sollten gerade auf längeren Ausfahrten und abwechslungsreichen Mehrtagestouren genügend Bandbreite abdecken, um auf Schotter, Waldboden oder auch Asphalt ordentlich unterwegs zu sein.

Mit den hauseigenen Oval Anbauteilen macht man nicht viel falsch, auch wenn die ungewohnte Ergonomie bzw. Form des Lenkers dazuführt, dass die Bremsschaltgriffe zunächst etwas seltsam in der Hand liegen. Der Rahmen des Fuji Jari 1.1 macht in allen Bereichen einen soliden Job und ist auch aus diesem Grund für den vielseitigen Einsatz durchaus geeignet. Gerade zum Strecke machen bietet sich die Laufruhe des Fuji Jari an, auch wenn es sicherlich an einigen Stellen etwas mehr Agilität und Komfort sein dürften. Nichtsdestotrotz bietet dieses Gravelbike gerade für Tourenfahrer eine gelungene Mischung aus Funktionalität, Performance und Optik.

Fazit: Fuji Jari 1.1

Gesamtwertung

72%

Preis-/Leistung

73%

Pro

Solide Allround-Performance
Vielzahl an Montagemöglichkeiten
Viel Liebe zum Detail

Contra

Ungewohnte Bremsgriffhaltung
Nicht sehr agil

Fakten

Rahmenmaterial
Aluminium
Bremse
Scheibenbremse Hydraulisch
Gewicht
9,72kg
Preis
1.999 Euro
Web
EnduranceRace
 
Das Fuji Jari 1.1 bietet gerade für (Mehrtages-)Tourenfahrer eine gelungene Mischung aus Funktionalität, Performance und Optik. Der goldene Alurahmen liegt ruhig auf der Strecke und bietet extrem viele Möglichkeiten Halterungen und Taschen aller Art anzubringen, um ein pefrektes Bikepackingerlebnis zu ermöglichen.

über den Autor

Florian Nowak

Florian Nowak ist Radprofi auf EuropeTour Ebene und war schon bei vielen internationalen Rennen am Start. Bei der deutschen Meisterschaft 2017 war er bester nicht WorldTour Profi auf Platz 7 und konnte sich somit für die Tour de L'Avenir und die Weltmeisterschaften empfehlen. Er fühlt sich aber nicht nur auf dem Rennrad wohl, immer wieder zieht es ihn auch ins Gelände. Neben dem Sport arbeitet er an seinem zweiten Standbein und hat sein BWL Studium an der LMU München abgeschlossen.

Caspar Gebel

Caspar Gebel, Jahrgang 1968, sitzt seit 35 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

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