Test: Drössiger Gravel PIT – Vielseitigkeit auf breiten Reifen
Foto von Michael Faiß

Test: Drössiger Gravel PIT – Vielseitigkeit auf breiten Reifen

Test: Das Drössiger Gravel PIT hatten wir bereits vor einigen Monaten auf der Eurobike als Prototyp erspäht, nun ist die Gravel-Premiere von Drössiger offiziell. Das Rad kommt zum Start in zwei Ausstattungsvarianten mit einem oder zwei Kettenblättern. Besonderheit: In beiden Varianten setzt Drössiger auf großvolumige 650b Bereifung.

Drössiger Gravel PIT: Die Fakten

Rahmenmaterial: Aluminium
Laufradgröße(n): 650b
Reifenfreiheit: 35mm (700c) / 2,1″ (650b)
Achsmaß (v/h): 12×100 / 142×12
Schutzblechösen: Ja
Gepäckträgerösen (v/h): Ja / Ja
Flaschenhalter: Unterrohr oben, Unterrohr unten, Sitzrohr, Gabel
Sonstiges: Ösen auf dem Oberrohr

Gewicht Laufräder v/h (mit Reifen, Kassette und Bremsscheiben): 1.800g / 2.530g
Gewicht Komplettrad ohne Pedale (Größe M):
9,81kg
Preis: 1.799 Euro

Drössiger Gravel PIT – Sportlich mit viel Tourenpotential

Neu im Programm des rheinischen Anbieters ist ein Gravelbike, das mit ungewöhnlichen Formen auffällt. Die hängende Kettenstrebe erinnert ans Rondo Ruut und soll mutmaßlich Kettenschlagen verhindern; auch der Knick im Sitzrohr und die tief angesetzten Streben geben dem Bike Individualität. Letztere wird bei Drössiger ohnehin groß geschrieben: Der Hersteller lässt seinen Kunden viele Freiheiten bei Dekorwahl und Farbgestaltung.

Geometrie Drössiger Gravel PIT

XSSMLXL
Sitzrohr (in mm)480500530560590
Oberrohr horizontal (in mm)520538556575594
Steuerrohr (in mm)100120140165190
Kettenstrebe (in mm)410410410410410
Radstand (in mm)979993100310231042
Lenkwinkel (in °)70.571727272
Sitzwinkel (in °)7373737373
Reach (in mm)363375387398410
Stack (in mm)512533554578601
Rahmen
G-SL 1.0
Gabel
G-SL 1.0 Vollcarbon
Laufräder
DT Swiss 483d / DT Swiss 370
Reifen
Panaracer GravelKing SK 27.5 x 48
Schaltwerk
Sram Apex 1
Schalthebel
Sram Apex 1
Kurbel
Praxis Works Alba 40t
Umwerfer
Ohne
Bremse
Sram Apex HRD
Sattelstütze
Ritchey Comp V2 Zero Offset
Sattel
Selle Italia SL
Vorbau
Ritchey Comp 4-Axis
Lenker
Ritchey Comp VentureMax

Ausstattungsmäßig setzt das Gravel Pit ganz auf maximale Solidität – und nähert sich damit dem Mountainbike an. Das Testrad kommt mit 650B-Laufrädern und entsprechend wuchtigen, 48mm breiten Reifen, die den Durchlauf freilich immer noch nicht ganz ausfüllen. Die kleineren Laufräder sind eigentlich eine gute Wahl, da sie viel Reifenvolumen aufbieten, wobei der Abrollumfang in etwa gleich bleibt, was für ein gewisses Plus an Agilität sorgt. „Eigentlich“ deshalb, weil die Laufräder am Testrad ziemlich schwer sind – mit Kranz und Bereifung kommen über 4kg zusammen. Das ist Gift für die Beschleunigung und auch deshalb schade, weil das Rad ansonsten überraschend wenig wiegt. Ein mittelpreisiger Tubeless-Radsatz aus dem Cross-Bereich mit leichterer Kassette würde ein ganzes Kilo einsparen und das Rad mit Pedalen auf rund neun Kilo bringen, womit der Offroad-Tourer fast schon zum Renngerät mutieren würde. Entscheidet man sich für einen solchen Zweitlaufradsatz, finden in Gabel und Rahmen 28″ Reifen mit einer Breite bis 35mm Platz.

Auch die Geometrie ist ausgesprochen sportiv: „Stack“ und „Reach“ sprechen für eine sportliche Haltung mit viel Überhöhung und deutlicher Streckung, was am Testrad durch den kurzen Vorbau entschärft wird. Dieser sorgt zusammen mit dem eher steilen Lenkwinkel für ein lebendiges Handling. Einer sportlichen Nutzung kommt auch die Bestückung mit SRAM Apex 1×11 entgegen. Nur der weit ausgestellte Lenker sagt laut und deutlich „Gravel“, ebenso die zahlreichen Gewindeösen für Flaschenhalter, Oberrohrtasche und vieles mehr.

Drössiger Gravel PIT

Drössiger Gravel PIT – Let’s Gravel

Das Drossiger Gravel PIT ist eines der Bikes, welches uns im Test mit am meisten überrascht hat. Denn der sportliche Alurahmen fährt sich nicht nur sehr angenehm sondern bietet auch eine Menge an Vielseitigkeit. Durch die 650B-Laufrädern mit den breiten Reifen bleibt der Gravelracer ausgesprochen agil und hat durch die GravelKings von Panaracer dennoch eine tolle Laufruhe und soliden Komfort. Aufgrund des recht sportlichen Gewichts der Laufräder leidet allerdings die Spritzigkeit des Drössiger Gravel PIT nicht unmerklich. Gerade auf knackigen Passagen bergauf die auch noch einen Richtungswechsel verlangen hat das Gravel PIT sichtlich zu kämpfen. Dafür fühlt es sich schnelleren Abschnitten über Schotter und Asphalt extrem wohl.

Mit der SRAM Apex und der Praxisworks Kurbel bietet man dem Gravel-Enthusiasten eine willkommene Abwechslung, was das Setup angeht. Leider weniger gelungen finden wir den VentureMax Lenker, der eine sehr ungewohnte Ergonomie besitzt und sich für unseren Geschmack gerade auf ruppigen Abfahrten nicht besonders angenehm anfühlt. Hier steckt vor allem die Rahmenkonstruktion, mit geschwungenen Rohren, in Verbindung mit den Reifen einiges Weg. Eine Vielzahl an Ösen für Flaschenhalter, Taschen und Gepäck verleihen dem Drössiger Gravel PIT zusätzlichen Gravelflair und machen auch Mehrtagestouren möglich. Wie man sehen kann bietet das Gravelbike von Drössiger von allem ein bisschen, um in (fast) jedem Einsatzbereich Spaß zu haben.

Für alle die es gerne individuell wollen gibt es was ganz besonderes. Im Farbkonfiguator von Drössiger kann man nämlich sein Gravel Pit nach eigenen Vorstellungen gestallten. Dabei wählt man neben der Rahmenfarbe auch weitere Gestalltungsmöglichkeiten wie Schriftzüge und Farbkeile. Außerdem kann man über das Menü noch die gewünschte Ausstattung, die Größe und das Finish des Bikes angeben.

Fazit: Drössiger Gravel PIT

Gesamtwertung

74%

Preis-/Leistung

76%

Pro

Gute Allround-Performance
Passende Ausstattung
Individuelle Gestalltungsmöglichkeit

Contra

Lenker ungewohnt
Laufräder recht schwer

Fakten

Rahmenmaterial
Aluminium
Bremse
Scheibenbremse Hydraulisch
Gewicht
9,81kg
Preis
1.799 Euro
Web
EnduranceRace
 
Das Drössiger Gravel PIT bietet über alle Bereiche hinweg eine solide Performance und ermöglicht ein breites Einsatzfeld. Durch die gute Verarbeitung und gelungene Ausstattung bringt das Gravel PIT alles mit um in (fast) jedem Bereich richtig Spaß zu haben.

über den Autor

Florian Nowak

Florian Nowak ist Radprofi auf EuropeTour Ebene und war schon bei vielen internationalen Rennen am Start. Bei der deutschen Meisterschaft 2017 war er bester nicht WorldTour Profi auf Platz 7 und konnte sich somit für die Tour de L'Avenir und die Weltmeisterschaften empfehlen. Er fühlt sich aber nicht nur auf dem Rennrad wohl, immer wieder zieht es ihn auch ins Gelände. Neben dem Sport arbeitet er an seinem zweiten Standbein und hat sein BWL Studium an der LMU München abgeschlossen.

Caspar Gebel

Caspar Gebel, Jahrgang 1968, sitzt seit 35 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

1 Kommentar

  1. Seraph
    Seraph

    Dieser Test ruft eindeutig nach einer Variante mit 28 Zoll Laufräder und 40 mm beziehungsweise 38 mm breiten Reifen. Beide von Drössiger vorgestellten Varianten sind aufgrund der breiten Reifen eher in Richtung Mountainbke orientiert.

    Vielleicht überlegt ihr von Drössiger noch einmal, eine dritte Variante mit auf den Markt bringen um auch Kunden bedienen zu können, die dünnere Reifen – in Richtung Cyclocross bevorzugen. Bzw. hauptsächlich auf asphaltierten Wegen / gut ausgebauten Schotterradwegen unterwegs sind. Bitte denkt nochma drüber nach!!!!
    Ich würde es super finden. (Vor allem 2×11 Gänge Shimano 105 mit Schwalbe G One 38mm auf nem schönen 28 Zoll Laufradsatz.und den Rest auf jeden Fall so lassen. DAS WÄRE PERFEKT!!!

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