Test: Bergamont Grandurance 6 – Stylischer Allrounder
Foto von Michael Faiß

Test: Bergamont Grandurance 6 – Stylischer Allrounder

Test: Mit dem Bergamont Grandurance stellte der Hersteller aus St. Pauli vor zwei Jahren bereits ein vielseitiges Gravelbike vor – noch bevor diese Radgattung auch hierzulande Schlagzeilen machte. Im Test zeigt sich, dass das vielseitige Rad auch weiterhin sehr gut gegen die Konkurrenz zu bestehen weiß.

Bergamont Grandurance 6: Die Fakten

Rahmenmaterial: Aluminium
Laufradgröße(n): 700c
Achsmaß (v/h): 12×100 / 142×12
Schutzblechösen: Ja
Gepäckträgerösen (v/h): Nein / Ja
Flaschenhalter: Unterrohr oben, Sitzrohr

Gewicht Laufräder v/h (mit Reifen, Kassette und Bremsscheiben): 1.540g / 2.320g
Gewicht Komplettrad ohne Pedale (Größe M):
 10,18kg
Preis: 1.499 Euro

Bergamont Grandurance 6: Sportlich, stylisch, vielseitig

Mattschwarz und frische Farben: Das Grandurance ist ein Rad, das auffallen will, und das tut es nicht nur mit seiner gelungenen Optik. Auch der Preis ist heiß für ein Bike mit kompletter Sram Apex und edlen Schwalbe-Reifen. Der pfiffige Spitzschutz unterm Gabelkopf sorgt ebenfalls für Aufmerksamkeit – hat das Bike aus Hamburg das verdient?

Geometrie Bergamont Grandurance

4953555761
Sitzrohr (in mm)475510535555585
Oberrohr horizontal (in mm)515530555570590
Steuerrohr (in mm)115135160180200
Kettenstrebe (in mm)425425425425425
Radstand (in mm)9991005102610361051
Lenkwinkel (in °)7171.571.57272.5
Sitzwinkel (in °)74.57473.573.573.5
Reach (in mm)366370383392405
Stack (in mm)537558581602623
Rahmen
700c Grandurance Aluminium
Gabel
Grandurance Carbon II
Laufräder
BGM Allroad Pro
Reifen
Schwalbe G-One Allround 35mm
Schaltwerk
Sram Apex 1
Schalthebel
Sram Apex 1
Kurbel
Sram Apex 1
Umwerfer
Ohne
Bremse
Sram Apex HRD
Sattelstütze
Syncros RR2.5
Sattel
Syncros FL2.5
Vorbau
Syncros RR2.5
Lenker
Syncros Creston 2.0

„Nein“, werden jene rufen, die ein bequemes Langstrecken-Schotter-Reiserad erwarten, denn das ist das Grandurance nicht. Weder Flaschenhalter an den Gabelbeinen noch ein Täschchen auf dem Oberrohr sind vorgesehen, dafür sprechen die Geometriedaten eine deutliche Sprache: In mittlerer Größe ergeben Bauhöhe und Vorlagerung eine ausgesprochen sportliche, wenn auch nicht extreme Sitzhaltung, zumal, wenn wie am Testrad auf Spacer unterm Vorbau verzichtet wird. Keine Frage, mit diesem Rad kann man auch ein Crossrennen bestreiten – dazu sollte man dann natürlich etwas schmalere, stärker profilierte Reifen aufziehen statt der fein genoppten 35er, und eine etwas enger gestufte Kassette wäre auch ganz gut. Dann ist das Rad flott und lebendig, allein das recht hohe Gewicht bremst es etwas ein: Schon ohne Pedale hängt es mit über zehn Kilo an der Waage; um es mit Klickies in den einstelligen Bereich zu drücken, müsste man schon sehr leichte Laufräder montieren.

Aber auch so macht das Rad viel Spaß, denn auf kurzen Touren, beim Bikepacking oder bei der sportlichen Alltagsnutzung ist das Gewicht nebensächlich. Dann tut sich das Bergamont als stylischer, modern ausgestatteter Flitzer hervor – erschwinglich und dabei so individuell, wie es viele deutlich teurere Modelle nicht sind.

Bergamont Grandurance 6

Bergamont Grandurance 6: Let’s Gravel!

Das Bergamont Grandurance 6 zeigt sich schon auf den ersten Blick von seiner besten Seite. Mit einem auffälligen und bunten Design sticht das Grandurance eigentlich jedem sofort ins Auge. Besonders schön anzusehen ist neben der Farbgestalltung mit viel Liebe zum Detail auch die hochwertige Verarbeitung des Alurahmens. Das leicht geslopte, immer dicker werdende Oberrohr verleiht dem gesamten Bike einen eigenen Touch und sorgt auch aus technischer Sicht für etwas mehr Bandbreite in der Sitzpositionseinstellung, wie die extrem sportliche Geometrie des Bergamont Grandurance 6 auf den ersten Blick vermuten lässt.

Dennoch liegt der Schwerpunkt des Grandurance schon ganz klar auf dem sportiven Einsatz. Dies zeigt sich eben nicht nur durch die von Haus aus standardmäßig sehr sportliche Geometrie, sondern auch an der Ausstattung mit kompletter Sram Apex, die gerade auf flotten Ausfahrten der perfekte Begleiter ist, jedoch auch für knackige Anstiege genügend Reserven aufweist. Die Laufräder passen zwar von der Optik super gut ins Bild und bieten auch genügend Stabilität, allerdings leidet das Gewicht ein wenig unter diesen. Alles in allem liegen sie aber super auf der Straße und dem Schotter, was natürlich nicht zuletzt auch an den guten Schwalbe G-One in 35mm Breite liegt.

Der Komfort des Bergamont Grandurance 6 liegt dagegen eher im durchschnittlichen Bereich, was auch an der hohen Rahmensteifigkeit liegt, die andererseits dafür sorgt, dass der Gravelracer sehr direkt und agil unterwegs ist. Auch beim Beschleunigen ist die Steifigkeit und gute Kraftübertragung von Vorteil und unterstreicht die sportlichen Gene des Grandurance 6. Ein nettes Ausstattungsfeature ist der kleine Spritzschutz an der Gabel vorne. So bleibt man zumindest im Gesicht von gröberen Spritzern auf nassen Ausfahrten verschont.

Fazit: Bergamont Grandurance 6

Gesamtwertung

73%

Preis-/Leistung

80%

Pro

Sportliche Ausrichtung
Komplette Sram Apex
Gutes Preis-Leistungsverhältnis
Optik

Contra

Kein Leichtgewicht
Sportliche Ausrichtung geht zu Lasten von Komfort

Fakten

Rahmenmaterial
Aluminium
Bremse
Scheibenbremse Hydraulisch
Gewicht
10,18kg
Preis
1.499 Euro
Web
EnduranceRace
 
Bergamont bietet mit dem Grandurance 6 den Gravelfans einen hochwertigen Alurahmen und eine kompletten Sram Apex für den sportiven Einsatz. Gerade die Geometrie und das agile und direkte Fahrverhalten spielt Schnellfahrern in die Karten und lädt zum Gasgeben ein. Mit individueller Optik und einem guten Preis-Leistungsverhältnis werden sowohl Einsteiger, als auch gestandene Gravelfahrer glücklich.

über den Autor

Florian Nowak

Florian Nowak ist Radprofi auf EuropeTour Ebene und war schon bei vielen internationalen Rennen am Start. Bei der deutschen Meisterschaft 2017 war er bester nicht WorldTour Profi auf Platz 7 und konnte sich somit für die Tour de L'Avenir und die Weltmeisterschaften empfehlen. Er fühlt sich aber nicht nur auf dem Rennrad wohl, immer wieder zieht es ihn auch ins Gelände. Neben dem Sport arbeitet er an seinem zweiten Standbein und hat sein BWL Studium an der LMU München abgeschlossen.

Caspar Gebel

Caspar Gebel, Jahrgang 1968, sitzt seit 35 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

3 Kommentare

  1. Lars Niedrée
    Lars Niedrée

    Schöner Bericht. Als Laie frage ich mich aber: Ein Stack to Reach-Wert von 1,52 beim 56er Rahmen spricht doch eher für eine relativ komfortable Haltung, verglichen mit vielen anderen Cyclo und Gravelbikes, oder wäre es zu einfach sich ausschliesslich an diesem Wert zu orientieren? Danke & VG

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    1. Michael Faiß
      Michael Faiß

      Hallo Lars!

      Auf dem Papier hast du zweifellos recht. Doch wie du schon vermutest, gibt es hier immer mehrere Faktoren, die auf die Sitzposition Einfluss haben – insbesondere Vorbaulänge-/ und oder Neigung und die Lenkerergonomie. Zudem ist der S-T-R nicht immer über alle Rahmengrößen konstant.

      Viele Grüße

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