Peter Sagan gewinnt spektakuläre Flandern-Rundfahrt
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Peter Sagan gewinnt spektakuläre Flandern-Rundfahrt

Radsport: Peter Sagan (Tinkoff) hat die Flandern-Rundfahrt gewonnen. Als Solist setzte sich der Straßenweltmeister nach einem packenden, zeitweise spektakulären Rennen gegen Fabian Cancellara (Trek-Segafredo) und Sep Vanmarcke (LottoNL-Jumbo) durch. Es ist der erste Triumph bei einem der Radsport-Monumente für den Slowaken.

Ein unglaublicher Radsport-Tag geht zu Ende. Die Flandern-Rundfahrt 2016 wird zweifellos lange im Gedächtnis von Fahrern und Fans bleiben. Es gab dramatische Szenen, unglaubliche Attacken auf den von Zuschauern gesäumten Straßen und schlicht ergreifend alles, was man sich von einem solchen Rennen erwarten kann. Am Ende war es Peter Sagan, der die letzte Überquerung des Paterberg nutzte, um sich von seinen Verfolgern abzusetzen und im Anschluss als Solist zu einem beeindruckend überlegenen Sieg zu fahren. Fabian Cancellara (Trek-Segafredo) musste sich nach großem Kampf mit dem zweiten Platz begnügen. André Greipel (Lotto-Soudal) und Nils Politt (Katusha) hatten zwar mit dem Sieg nichts zu tun, fuhren aber viele Kilometer in der Fluchtgruppe des Tages an der Spitze des Rennens.

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Die Flandern-Rundfahrt begann heute Vormittag unter der Sonne Belgiens bei besten Bedingungen, aber mit viel Hektik. Innerhalb der ersten 150km gab es zahlreiche, teils schwere Stürze, denen mit Greg van Avermaet (BMC, Schlüsselbeinbruch), Tiesj Benoot (Lotto Soudal) und Arnaud Démare (FDJ) gleich drei Fahrer aus dem Favoritenkreis zum Opfer fielen. Besonders bitter war der Ausfall von van Avermaet, der in bestechender Form war und durchaus große Chancen auf den Sieg hatte – dass mit Marcus Burghardt und Michael Schär das Team von BMC zwei weitere Fahrer verlor und Daniel Oss und Taylor Phinney auch nur mit einigen Blessuren weiterfahren konnten war ein Super-Gau für das US-Team.

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An der Spitze mischten derweil gleich zwei deutsche Profis mit. André Greipel und Nils Politt schlossen ca. 90km vor dem Ziel zu der bis dahin führenden Gruppe auf, deren Vorsprung sich zu diesem Zeitpunkt zwischen einer und zwei Minuten bewegte. Dahinter hatte sich derweil eine Verfolgergruppe aus ca. 40 Fahrern gebildet, in der mit Cancellara, Sagan, Stybar, Kwiatkowski, Vanmarcke und Terpstra auch die großen Favoriten auf den Sieg mitfuhren. Das Tempo diktierte Cancellara mit seinen Helfern von Trek-Segafredo, doch kam die erste und schlussendlich entscheidende Attacke von Peter Sagan.

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40km vor dem Ziel griff der Straßenweltmeister am nur 500m langen, aber teils 18% steilen Taienberg an. Michal Kwiatkowski (Team Sky) klemmte sich sogleich an das Hinterrad des Slowaken und wir hatten wieder das Duo beisammen, das bereits den E3 Harelbeke dominiert hatte. Kurze Zeit später konnte auch Sep Vanmarcke aufschließen und verstärkte damit die neue Gruppe, die sich schnell absetzen konnte und ordentlich Druck auf die Fahrer an der Spitze machte. Am Kruisberg schlossen Sagan, Kwiatkowski und Vanmarcke schließlich zur Spitzengruppe um André Greipel auf – Nils Politt hatte sich zwischenzeitlich ins Feld zurückfallen lassen.

Am Oude-Kwaremont musste schließlich auch Greipel abreißen lassen – dennoch: Tolle Leistung des 33-jährigen! Das Tempo an der Spitze machte vor allem der bärenstarke Sagan, der von allen Fahrern bereits zu diesem Zeitpunkt den besten und stärksten Eindruck machte. Derweil musste Kwiatkowski Sagan und Vanmarcke ziehen lassen, die damit alleine an der Spitze unterwegs waren. Dahinter versuchte Fabian Cancellara alles, um seine Chancen auf den vierten Sieg bei der Ronde zu wahren: Mit einem enormen Kraftakt zog er an auf der schmalen Straße an sämtlichen Fahrern vorbei, konnte aber die Lücke zum Duo an der Spitze nicht ganz schließen.

Die Entscheidung fiel dann am letzten Anstieg des Tages, dem Paterberg. Hier war es Sagan, der den sichtlich entkräfteten Vanmarcke stehen ließ und alleine an der Spitze davonzog. Cancellara konnte zumindest zum Belgier aufschließen und gab sich nach wie vor nicht geschlagen. Zu diesem Zeitpunkt standen zwischen Sagan und seinem ersten Sieg bei einem Monument noch 12 flache Kilometer und ein viermaliger Zeitfahrweltmeister in seinem Nacken. Sagan holte nach deutlich über 200km noch einmal alles aus seinen Beinen und konnte den Vorsprung tatsächlich bis zum Ziel halten. Cancellara hatte ebenfalls absolut alles versucht, Vanmarcke konnte in der Verfolgung nichts mehr beitragen, zu viel Kraft hatte er davor bereits gelassen. Somit feiert Peter Sagan seinen ersten Sieg bei der Flandern-Rundfahrt und sein erster Triumph bei einem Radsport-Monument. Den Sprint der Verfolgergruppe gewann Alexander Kristoff, der damit hinter Vanmarcke und Cancellara auf Rang Vier landete.

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Peter Sagan zeigte sich im Siegerinterview sprach- und atemlos und hatte sichtlich Probleme, das Geschehene zu verarbeiten. In der Stunde eines seiner größten Siege dachte er an die traurige letzte Radsportwoche und widmete seinen Triumph Demoitié und Myngheer: „Ich bin super glücklich. Es war ein extrem hartes Rennen, vom Anfang bis zum Ende vollgas. Ich hatte nach 100km Probleme und musste beide Laufräder wechseln. Es gab viele Stürze und ich muss meinem Team danken, das einen tollen Job gemacht hat. Es war nicht einfach – ich musste auf ein Solo setzen, weil es immer schwierig ist mit den anderen Fahrern zu arbeiten. Zwei meiner Kollegen sind in der letzten Woche verstorben, das ist unglaublich tragisch und ich widme ihnen den Sieg.“

Endergebnis Flandern-Rundfahrt 2016

 FahrerLandTeamZeit
1.Matthew HaymanAustralienOrica-GreenEDGE05:51:53
2.Tom BoonenBelgienEtixx - Quick-Step
3.Ian StannardGroßbritannienTeam Sky
4.Sep VanmarckeBelgienLottoNL-Jumbo
5.Edvald Boasson HagenNorwegenTeam Dimension Data00:00:03
6.Heinrich HausslerAustralienIAM Cycling00:01:00
7.Marcel SiebergDeutschlandLotto Soudal
8.Aleksejs SaramotinsLitauenIAM Cycling
9.Imanol ErvitiSpanienMovistar00:01:07
10.Adrien PetitFrankreichDirect Energie00:02:20

über den Autor

Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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