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Radsport

Radsport: Oleg Tinkow macht Ende 2016 Schluss: „Die können mich alle mal!“

13. Dezember 2015 by Michael Faiß

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Radsport: Am Ende der nächsten Saison wird der Radsport eine seiner wohl polarisierendsten Personen der vergangenen Jahre verlieren: Der russische Milliardär Oleg Tinkow wird sich Ende 2016 aus dem Profiradsport zurückziehen und auch sein Team Tinkoff-Saxo verkaufen. Hauptgrund seien die Stagnation im Radsport und die große Abhängigkeit von Sponsoren.

In einem Interview mit dem Radsportportal cyclingnews ließ der 47-jährige heute die Bombe platzen. „Alle Fahrer- und Sponsorenverträge sind für 2016 geklärt, doch 2016 wird die letzte Saison für die Tinkoff Bank und für mich sein,“ so Tinkow. Grund für seinen Rückzug ist aber nicht etwa mangelndes Interesse, sondern hauptsächlich mangelnde Reformbereitschaft im Radsport, die sklavische Abhängigkeit der Teams von Sponsoren und eine Umorientierung im Marketing der Tinkoff-Bank: „Die Tinkoff Bank hat das Team fünf Jahre gesponsort und aus einem marketing-technischen Standpunkt ist das mehr als genug. Wir sind kein weltweit agierendes Geldhaus und die wirtschaftliche Lage in Russland ist nicht die beste.“



Was den Russen jedoch richtig auf die Palme bringt, ist die seiner Ansicht nach lähmende Gleichgültigkeit von Teams, Fahrern und Verantwortlichen, wenn es um Veränderungen im Sport geht, insbesondere bezüglich Sponsoring und Finanzierung. „Ich habe erkannt, dass niemand mit mir zusammenarbeiten möchte, wenn es um ein neues Geschäftsmodell für den Radsport geht. Ich habe mir in den vergangenen Jahren immer wieder Auseinandersetzungen mit ASO und UCI geliefert, ich habe versucht durch neue TV-Verträge Geld zu generieren, Merchandise-Verkäufe anzukurbeln, aber niemand hat mich unterstützt.“

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In den Aussagen von Tinkow steckt eine Menge Frust und kaum einen nimmt er von seiner Kritik aus: „All die Interviews mit den großen Fahrern – nicht ein einziges Mal habe ich Unterstützung für meine Ideen erfahren, nicht einmal von meinen eigenen Fahrern. Vielleicht interessiert es sie auch gar nicht. Dave Brailsford [Teamchef Team Sky, Anm. d. Red.] ist der einzige, der versucht hat, mir zu helfen. Auch mit Jonathan Vaughters [Teamchef Cannondale-Garmin, Anm. d. Red.] habe ich mich ein paar Mal getroffen: Im Restaurant spuckt er große Töne, aber unterstützt hat er mich nie.“ 



Weiter vergleicht sich der russische Milliardär mit Don Quixote, der einen einsamen und aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen kämpft. „Wenn die Zukunft des Sports sonst niemanden interessiert, weshalb sollte ich mich kümmern? Die können mich alle mal! Das ist mein persönlicher Grund, weshalb ich keine Lust mehr auf den Profiradsport habe […] Ich sitze in mein Flugzeug, fliege heim, konzentriere mich auf meine Geschäfte und genieße mein Leben. Alle die weiter im Radsport aktiv sind, sind die, die bis zum Hals in der Scheiße stecken.“

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Was nach 2016 mit dem Team passiert, interessiert den momentanen Besitzer und Teamchef angeblich wenig. „Mir ist es völlig egal, wer das Team kauft. Wenn Bjarne Riis es zurück will, soll er ein Angebot machen.“ Die einzigen beiden Fahrer, die einen Vertrag für die Saison 2017 haben, sind Peter Sagan und Rafa Majka. „Wer auch immer das Team kauft, bekommt diese beiden Fahrer also zumindest für eine Saison.“ Doch wie es sich gehört, möchte sich der oft exzentrische Tinkow 2016 mit einem Knall verabschieden: „Ich bin mir sicher, 2016 wird unsere beste Saison […] Sie fahren um ihre eigene Zukunft. Wir werden großartig sein und den anderen den A*sch aufreißen.“



Stichworte:ContadorNewsOleg TinkowSagantinkoffTinkoff-Saxo

Über Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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