Skoda Velotour Eschborn – Frankfurt: Demonstration statt Rennen

Skoda Velotour Eschborn – Frankfurt: Demonstration statt Rennen

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Jedermann: Gut 1.000 Radsportler haben in Frankfurt gezeigt, dass sie sich nicht von Terroristen von der Ausübung ihres Hobbys abhalten lassen. Die gemeinsame Tour anstelle des abgesagten Jedermannrennens wurde zur Demonstration – Freibier inklusive. Velomotion ist mitgefahren.

Eschborn, 1. Mai 2015, 8.50 Uhr. Gut 1.000 Hobbyradsportler haben sich eingefunden an jenem Ort, wo eigentlich ihr Jedermannrennen SKODA Velotour Eschborn-Frankfurt gestartet werden sollte. Am Vorabend hat das Landeskriminalamt Hessen die Veranstaltung und auch das Profirennen wegen Terrorgefahr abgesagt. Per E-Mail wurden die Jedermänner vom Veranstalter gebeten, nicht anzureisen. Sie sind trotzdem gekommen.

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Die Polizei ist vor Ort, doch die Beamten sind eher in angeregte Gespräche mit den Radsportlern vertieft, als dass sie nervös die Szenerie sichern müssten. Die Stimmung ist fröhlich. Natürlich ist die Absage das Thema Nummer Eins.  Bei aller Enttäuschung, auf das Rennen verzichten zu müssen, äußern die Sportler Verständnis für die Entscheidung der Verantwortlichen. Deswegen auf’s Radfahren zu verzichten, kommt jedoch nicht infrage. Wenn schon kein Rennen, dann eine gemeinsame Trainingstour. Auch als Zeichen dafür, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Mit Polizei-Eskorte durch Frankfurt und in den Taunus

Florian Jöckel hat diese Fahrt gemeinsam mit seinem Guilty 76 Racing Team mit-initiiert. In der Frankfurter Radszene ist der Mann mit dem Rauschebart  bekannt wie ein bunter Hund. Als Jöckel um kurz vor 9.00 Uhr in ein Mikrofon ruft „Wir werden trotzdem fahren“, brandet Applaus auf. Und tatsächlich fällt kurz darauf ein Startschuss. Rennveranstalter Bernd Moos-Achenbach kann auch 2015 Radsportler auf den Weg schicken – anders als gedacht, neutralisiert, ohne Startnummern und mit Polizei-Eskorte, aber immerhin. ARD-Moderator und Hobbyradler Thorsten Schröder sagt, er fährt mit einer Portion Wut im Bauch.

„Terroristen hindern uns nicht an der Ausübung unseres Hobbys!“

Das Peloton rollt als geschlossener Verband durch das morgendliche Frankfurt. An roten Ampeln hält die Spitze. Damit immer alle Anschluss halten können, sichern Polizei, Begleitfahrzeuge und Motorräder die Kreuzungen und ernten dafür viel Dank. Die Strecke führt durch das Bankenviertel, an der Alten Oper vorbei, wieder heraus aus Frankfurt. Es wird geschwätzt, gelacht und fachgesimpelt. Ausgerechnet in Oberursel – jenem Ort, an dem die festgenommenen Terrorverdächtigen wohnen – hält das gesamte Peloton an.  Jöckel hat im Alt-Oberurseler Brauhaus Freibier organisiert. Nach feucht-fröhlichem Aufenthalt fahren die Radsportler weiter in den Taunus und schließlich den steilen Mammolshainer Berg hinauf. Oben an den Steigungen wird gewartet, bis wieder alle beisammen sind.

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Nach dreieinhalb Stunden Fahrt treffen die Jedermänner wieder an der Alten Oper in Frankfurt ein, live übertragen im Fernsehen auf HR. Während Rennveranstalter Bernd Moos-Achenbach im Interview die Aktion der Hobbysportler als starkes Statement lobt und verspricht, „Eschborn-Frankfurt“ auch 2016 wieder veranstalten zu wollen, rollen in seinem Rücken die Rennradler durchs Bild. Sie beenden hier ihre Runde und haben demonstriert: „Terroristen hindern uns nicht an der Ausübung unseres Hobbys!“

 

über den Autor

Moritz Pfeiffer ist ein waschechtes Kind der Jan-Ullrich-Tour. Seit Sommer 1997 ist er bei Wind und Wetter, Lizenz- oder Jedermannrennen, Radmarathons oder RTFs auf schmalen Reifen unterwegs. Geschichte und Spanisch studierte er im Rennrad-Paradies Freiburg, aktuell lebt und arbeitet er in Tübingen.

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